Planen mit Daten: Bad Belzig besser begreifen

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18. August 2023

Das Maßnahmenbündel „Planen mit Daten“ bietet die Chance, Daten in Bad Belzig und Wiesenburg/Mark mithilfe von Sensorik und Gateways zu erfassen und auszuwerten. Gewonnene Daten werden der Öffentlichkeit u.a. auf der kommunalen Klimadaten-Plattform und in der Bad Belzig App zur Verfügung gestellt. Erste Gespräche mit Feuerwehr, Akteuren aus der Landwirtschaft sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen zeigen einen klaren Bedarf.

Ende Juni 2023 haben die Gemeinden Bad Belzig und Wiesenburg/Mark ihre Smart-City-Strategie beschlossen und starten damit in die Umsetzungsphase des Modellprojektes – aus diesem Anlass möchten wir ab jetzt jeden Monat eines unserer Betätigungsfelder genauer vorstellen. Den Anfang macht das Maßnahmenbündel „Planen mit Daten“, das zum Ziel hat, Planungsprozesse durch die Sammlung und Auswertung verschiedener (Umwelt-)Informationen zu unterstützen.

Je digitaler die Welt wird, desto mehr Daten werden generiert. Neben personenbezogenen Daten (bspw. das Verhalten eines Besuchers auf einer Website), die meist auf Basis von Tracking erfasst werden, lassen sich durch Sensoren auch nicht-personenbezogene Daten erheben. Im Rahmen der Smart City Projektförderung versprechen für Bad Belzig und Ortsteile insbesondere Umweltdaten hilfreiche und richtungsweisende Mehrwerte: Ob Wasserhaushalt oder Baumgesundheit, ob Mobilitätsdaten, z.B. im Hinblick auf das Radfahrverhalten oder Daten zu Energieverbräuchen. Im Maßnahmenbündel „Planen mit Daten“ ergibt sich nun die Chance, solche Daten in Bad Belzig und Wiesenburg/Mark mithilfe von Sensorik und Gateways zu erfassen und auszuwerten. Gewonnene Daten werden der Öffentlichkeit u.a. auf der Klimadaten-Plattform für Bad Belzig und in der Bad Belzig App zur Verfügung gestellt. Erste Gespräche mit Feuerwehr, Akteuren aus der Landwirtschaft sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen zeigen einen klaren Bedarf nach besseren Entscheidungs- und Handlungsgrundlagen für eine zukunftsweisende Stadt- und Regionalentwicklung.

Foto 1/BU: Das Rathaus bekommt ein LoraWan-Gateway

Das Rathaus bekommt ein LoraWan-Gateway

Das in der Smart-City-Strategie verankerte Maßnahmenbündel greift genau diesen Bedarf auf und sammelt verschiedene Projekte, die in den nächsten Jahren gemeinsam mit der Stadtgesellschaft umgesetzt werden sollen.

Mobilität: Der Blick auf Rad-, Stadtverkehr & Co

Wie sicher und gut lässt sich in Bad Belzig Radfahren? Dieser Frage soll im September (01.09.-21.09.23) mit der Aktion „Stadtradeln“ (stadtradeln.de) nachgegangen werden. Durch die Nutzung einer zur Verfügung gestellten App, können Radfahrende ihre Bewegungsdaten anonym/nicht-personenbezogen tracken. Nach Ablauf des Projektzeitraums werden diese zusammengeführt und analysiert. Ziel der Aktion ist es, möglichst viele Menschen zum Radfahren zu animieren, für den aktiven Nutzen von Daten in der Verkehrsplanung zu sensibilisieren und mehr über das Radfahrverhalten der Menschen vor Ort zu lernen. Auch die Maßnahmenbündel „Mobilitätscampus“ und „Vitale Innenstadt“ könnten von gemessenen Verkehrsströmen oder Informationen über genutzte Parkflächen profitieren.

Umwelt: Die Trockenheit und ihre Folgen

Der Hohe Fläming gehörte 2022 zu den trockensten Regionen Deutschlands. Von über 500 Waldbränden ins ganz Brandenburg, wüteten zwei besonders schwere im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Um festzustellen, wie hoch die Waldbrandgefahr ist, sollen an einzelnen, repräsentativen Bäumen im Waldgebiet Sensoren verbaut werden, um die Gesundheit und die Wasserversorgung von Bäumen oder die Rauchentstehung im Wald zu messen. So können wichtige Erkenntnisse zu Wasserbedarf, Wasserversorgung und Waldbrandfrüherkennung gewonnen werden. Erste Sensoren werden mit dem Unternehmen „Treesense“ (treesense.de) und in Kooperation mit lokalen Akteuren des Forsts und der Feuerwehr und im Austausch mit dem Landkreis noch dieses Jahr installiert.

Foto 2/BU: Ein Sensor zum Messen der Baumgesundheit ©Treesense

Ein Sensor zum Messen der Baumgesundheit ©Treesense

Durch das Messen der Baumgesundheit in der Stadt und den Wäldern über den Zeitraum mehrerer Jahre werden wichtige Erkenntnisse über den Versorgungszyklus und den Gesundheitszustand von Bäumen in der Region gewonnen. Experten aus Forst und Feuerwehr sind in den Prozess involviert und haben der Zukunftsschusterei sogar schon neue, zusätzliche Sensoren empfohlen.   

Landwirtschaft, Wasser und Böden

Brunnen, Bäume, Boden – das sind die drei Bereiche, die das Projekt „Wassermeisterei“ (Lernort Arensnest) in Kooperation mit der Zukunftsschusterei beobachtet und analysiert. Ziel des Projektes, Menschen in der Region im Umgang mit Sensortechnik zu befähigen und für die Möglichkeiten im Rahmen eines regionalen Wassermanagements zu sensibilisieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Wasserversorgung, sowohl für Bäume in der Stadt und den Ortsteilen als auch Böden in der Landwirtschaft. Erste Test-Sensoren wurden bereits installiert,  eine LoRaWAN-Antenne auf dem Rathaus-Turm folgt in Kürze. Dank dieser, können die Umweltdaten kilometerweit übertragen und dokumentiert werden. Gleichzeitig werden so die Grundlagen für ein regionales LoRaWAN-Netz geschaffen. Im Hinblick auf die digitale Einbindung der Daten soll die bereits bestehende Klimadaten-Plattform weiterentwickelt werden.

Weitere Anwendungsfälle

Neben den beiden genannten Themenfeldern soll auch der Bereich „Energie“ betrachtet werden. Um Anwendungsfälle zu schärfen, werden im Rahmen der Umsetzungsphase entsprechende AGs gebildet und begleitet, die Raum für Auseinandersetzung und Ideenentwicklung für die entsprechenden AkteurInnen bieten.

So lassen sich beispielsweise auch Parkräume und Parkplätze messen und analysieren, um festzustellen, wie häufig darauf geparkt wird und ob es Bedarf für mehr oder weniger Parkplätze gibt. Hitzeinseln und Hitzestress im Stadtgebiet lassen sich durch Sensoren messen und durch passende Maßnahmen (Baumpflanzungen, Sonnensegel, etc) verhindern oder abschwächen. Ein weiterer Anwendungsfall könnte darüber hinaus sein, vor einem Schwimmbad-Besuch zu erfahren, wie viele BesucherInnen bereits im Bad sind oder wie warm das Wasser oder wie hoch die UV-Strahlung ist. Auch hier können Sensoren und Kartenzähler bei der Erfassung der Daten helfen.  

Ausblick

Wie sich in der Betrachtung der einzelnen Maßnahmen zeigt, orientiert sich das Vorgehen sehr stark an den aktuellen Bedürfnissen der Kommunen Bad Belzig und Wiesenburg/Mark. Bis Ende des Jahres 2027 sollen die erläuterten Maßnahmen sukzessive und in ständiger Rückkopplung mit Politik, Stadtexperten und Verwaltung umgesetzt werden. Dabei stehen dem Team der Zukunftsschusterei neben dem Steuerungskreis des Projektes, zu jedem Maßnahmenbündel ein ExpertInnen-Kreis (Maßnahmenbündel-AGs) und ein Beirat (ExpertInnen aus der Region – bspw. Forst Brandenburg, Land Brandenburg, Digitalagentur Brandenburg und Bund) zur Seite. Ziel aller Maßnahmen des Smart City Modellprojektes ist es, Maßnahmen, die sich als hilfreich und nachhaltig für die Kommunen erweisen, zu verstetigen.

Foto 3/BU: Sensorik-Einbau im Rathaus-Garten mit der Schäferei Arensnest/Daniel Diehl

Sensorik-Einbau im Rathaus-Garten mit der Schäferei Arensnest/Daniel Diehl

Ein erstes Beispiel für einen Test-Sensor finden Sie im Blog der Zukunftsschusterei (zukunftsschusterei.de => Klimadaten im Rathausgarten).  

Im nächsten Monat stellen wir unser zweites Maßnahmenbündel für Bad Belzig vor. Wenn Sie vorher Fragen oder Rückmeldungen an das Team der Zukunftsschusterei haben, schreiben Sie uns gerne unter zukunft@zukunftsschusterei.de oder besuchen Sie uns innerhalb unserer Öffnungszeiten (Mo-Do, 10-16 Uhr) in der Magdeburger Straße 5 in Bad Belzig.   

 

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